Mit der neuen Drehleiter der Feuerwehr Gäufelden stehen den Feuerwehren im Bereich der beiden südlichen Verwaltungszusammenschlüsse des Landkreises Böblingen künftig, bei Bedarf, zwei Hubrettungsfahrzeuge zur Verfügung. Die Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft Herrenberg mit den Kommunen Herrenberg, Deckenpfronn und Nufringen sowie der Gemeindeverwaltungsverband Oberes Gäu mit Gäufelden, Bondorf, Jettingen und Mötzingen erstrecken sich gemeinsam über eine Fläche von rund 154 Quadratkilometern. In den sieben Kommunen leben insgesamt rund 70.400 Menschen. Am Freitag, 23. Oktober 2026, übergab Bürgermeister Benjamin Schmid das neue Hubrettungsfahrzeug im Rahmen einer feierlichen Schlüsselübergabe offiziell an die Feuerwehr Gäufelden. Die Veranstaltung fand im Feuerwehrhaus Gäufelden im Beisein der Gesamtfeuerwehr mit Jugendfeuerwehr, Einsatz- und Altersabteilung sowie der Partnerinnen und Partner der Feuerwehrangehörigen statt. Neben Mitgliedern des Gemeinderats nahmen zahlreiche geladene Gäste teil, darunter Vertreter benachbarter Feuerwehren, der Polizei, des Rettungsdienstes und weiterer Organisationen der sogenannten Blaulichtfamilie. Der Übergabe ging ein nahezu dreijähriges Beschaffungsverfahren voraus. Am 13. Oktober 2026 wurde das Fahrzeug beim Hersteller Magirus in Ulm abgeholt. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf rund 950.000 Euro. In seiner Ansprache dankte Feuerwehrkommandant Schäberle insbesondere den Mitgliedern des Fahrzeugausschusses, die den Beschaffungsprozess über mehrere Jahre ehrenamtlich begleitet hatten. Sein Dank galt ebenso der Gemeindeverwaltung, dem Gemeinderat, den beteiligten Unternehmen sowie den Familien der Feuerwehrangehörigen, die das zeitintensive Engagement während der Beschaffung und der anschließenden Ausbildung unterstützen. Bei dem neuen Fahrzeug handelt es sich um eine vollautomatische Drehleiter mit Rettungskorb des Typs Magirus M32L-AT SC. Sie wurde vom Hersteller Magirus in Ulm auf einem Mercedes-Benz-AtegoFahrgestell aus dem Hause Daimler Truck AG aus Wörth aufgebaut. Der Sechszylinder-Dieselmotor leistet 299 PS und verfügt über ein Automatikgetriebe. Die Drehleiter wird künftig unter dem Funkrufnamen „Florian Gäufelden 33“ vom Feuerwehrhaus Gäufelden aus eingesetzt. Die feuerwehrtechnische Bezeichnung DLA(K) 23/12 beschreibt die wesentlichen Leistungsmerkmale des Hubrettungsfahrzeugs: Es erreicht eine Nennrettungshöhe von 23 Metern bei einer gleichzeitigen seitlichen Ausladung von zwölf Metern. Die maximale Arbeitshöhe beträgt 32 Meter. Der fünfteilige Leitersatz verfügt über einen hydraulisch beweglichen und teleskopierbaren Gelenkarm. Dieser ermöglicht es den Einsatzkräften, den Rettungskorb auch an schwer zugänglichen Gebäudeteilen, beispielsweise hinter Dachvorsprüngen oder an zurückversetzten Fenstern, zu positionieren. Der Rettungskorb bietet Platz für bis zu vier Personen bei einer maximalen Belastung von 400 Kilogramm. Für die Rettung verletzter oder mobilitätseingeschränkter Menschen stehen eine Krankentragenlagerung mit einer Tragfähigkeit von bis zu 270 Kilogramm sowie eine zusätzliche Korbtragenhalterung unterhalb des Rettungskorbs zur Verfügung. Dadurch können Patienten auch dann aus größeren Höhen gerettet werden, wenn ein Transport über das Treppenhaus nicht möglich oder nicht vertretbar ist. Zur technischen Ausstattung gehören außerdem vier hydraulische, stufenlos verstellbare Abstützungen, die eine Anpassung an unterschiedliche Platzverhältnisse ermöglichen. Eine elektronische Sicherheitsüberwachung kontrolliert die Leiterbewegungen und die zulässigen Arbeitsbereiche. Das sogenannte Computer-Stabilized-System (CS) reduziert durch aktives hydraulisches Gegensteuern auftretende Leiterschwingungen und unterstützt damit die präzise Positionierung des Rettungskorbs. Im Einsatz für Gäufelden! Feuerwehr Gäufelden Öffentlichkeitsarbeit Raiffeisenstr. 15 71126 Gäufelden Neben der Menschenrettung ist die Drehleiter für die Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung ausgestattet. Hierzu zählen unter anderem ein aufsteckbarer Wasserwerfer, Atemschutzgeräte, Ausrüstung zur Absturzsicherung sowie verschiedene Rettungs- und Arbeitsgeräte. Dazu gehören beispielsweise eine Akku-Säge, ein Hochentaster, ein Gerätesatz-Türöffnung und ein Notfallrucksack. Unter bestimmten technischen Voraussetzungen kann die Drehleiter zudem zum Heben von Lasten eingesetzt werden. Mit der neuen Drehleiter sind für die Feuerwehr Gäufelden auch zusätzliche Anforderungen an die Ausbildung verbunden. Erstmals verfügt die Feuerwehr über ein Hubrettungsfahrzeug dieser Fahrzeugklasse. Rund 25 Feuerwehrangehörige werden deshalb zu Drehleiter- und Korbmaschinisten ausgebildet, um die umfangreiche Technik künftig sicher bedienen und im Einsatz einsetzen zu können. „Ein Neufahrzeug mit dieser Technik ist eine Herausforderung“, erklärte Feuerwehrkommandant Schäberle in seiner Ansprache. Zugleich verwies er auf die hohe Motivation der angehenden Maschinisten und würdigte deren Bereitschaft, neben dem regulären Feuerwehrdienst zusätzliche Ausbildungsstunden zu leisten. Das Fahrzeug wird zugleich ein zentrales Arbeits- und Rettungsmittel für die gemeinsam mit der Feuerwehr Herrenberg gebildete Spezialeinheit für Einfaches Retten aus Höhen und Tiefen (ERHT). Beide Feuerwehren verfügen damit über Drehleitern des gleichen Herstellers. Die teilweise unterschiedlichen technischen Ausstattungen ergänzen sich bei der Bewältigung verschiedener Einsatzszenarien. Darüber hinaus können sich die beiden Feuerwehren bei Bedarf gegenseitig unterstützen und beispielsweise während planmäßiger Wartungen oder Werkstattaufenthalte des jeweils anderen Fahrzeugs die Einsatzbereitschaft sicherstellen. Auf Grundlage der bisherigen Einsatzentwicklung rechnet die Feuerwehr Gäufelden damit, dass die neue Drehleiter künftig bei rund 40 Prozent ihrer Alarmierungen zum Einsatz kommen wird. Das Einsatzspektrum umfasst insbesondere die Rettung von Menschen aus Höhen und Tiefen, die Brandbekämpfung sowie die technische Hilfeleistung. Darüber hinaus wird das Fahrzeug im Rahmen der überörtlichen Hilfe auch zur Unterstützung anderer Kommunen eingesetzt. Die Aufnahme des regulären Einsatzdienstes ist für Ende Dezember 2026 vorgesehen. Gleichzeitig werden die technischen Möglichkeiten zur Menschenrettung, Brandbekämpfung und technischen Hilfeleistung im südlichen Landkreis Böblingen erweitert. (FWG)







